4. Die Unsichtbarkeit des Kunstwerks im öffentlichen Raum

einbei zweititel: einbei zwei, copyright jo richter, 12014

Ausgehend von der Unsichtbarkeit des Kunstwerks im öffentlichen Raum, entsteht hier eine lose Folge von Zitaten, die nach und nach ergänzt wird. Ein Gespräch kann sich bilden:

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Die Positionen, welche die normale Wissenschaft beherrschen, spezifizieren nicht nur, welche Entitäten das Universum bevölkern, sondern auch, welche es nicht enthält. Kuhn,Thomas S. Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankf a.M. (14) 2014. S.21

Auf der vernünftig gewordenen Erde ist die Notwendigkeit der ästhetischen Spiegelung weggefallen. Horkheimer, Max und Adorno, Theodor: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt a.M, 2012. S. 268

Gedichte sind einseitige Sprachhandlungen, die wegen der Nicht-Reaktion oder Nicht-Existenz des Adressaten „Poesie“ bleiben. Schlaffer, Heinz: Geistergespräche. Stuttgart, 2015, S.19

[…] denn ‚diese‘ Welt versteht ihn nicht und und weiß ‚das Mädchen aus der Fremde‘ nicht bei sich zu behalten. Stirner, Max: Der Einzige und sein Eigentum. Reclam, o.J., S 33

Looking at everything without a single thought of what a look entails. Rothfuss, Patrick: The Slow Regard of Silent Things. New York, 2014, p51

The ends have been kidnapped by the means: things buy you, cars drive you, computers program you, television watches you.  Eduardo Galeano, from Upside Down: A Primer for the Looking-Glass World

[…] mit ‚Verdinglichung‘ ist dementsprechend hier eine Denkgewohnheit, eine habituell erstarrte Perspektive gemeint, durch deren Übernahme das Subjekt ebenso die Fähigkeit zur interessierten Anteilnahme verliert, wie dessen Umwelt ihres Charakters der qualitativen Entschlossenheit verlustig geht.  Honneth, Axel: Verdinglichung. Frankf a.M. 2005 u Berlin, 2015. S. 39

Generell verläuft die Gewöhnung der Menschen an die von der Technik entfesselten neuen Realitäten ja nach dem Modell der Identifikation mit dem Aggressor. Schivelbusch Wolfgang: Das verzehrende Leben der Dinge. München, 2015, S 194

‚[…] and logic keeps digging the ruts deeper and deeper. They’re so deep now they can’t see over the edges to the outside.‘  ‚And that wide, wide universe out there calling to us.‘ Herbert, Frank. The Eyes of Heisenberg. n.Y, 1964ff, p42

spaerlich, copyright jo richter, 2015titel: spaerlich, copyright jo richter, 12015

 

Diese Ohnmacht war das Kennzeichen der schönen Künste insgesamt, in der Poesie findet sie ihren einsamsten, beredsten Ausdruck. Grünbein, Durs: Vom Stellenwert der Worte, Ffm 2010, S. 8

Als präreflexive Erscheinungsweise ist die Unsichtbarkeit eine vorläufige. Waldenfels, Bernhard: Sinne und Künste im Wechselspiel. Modi ästhetischer Erfahrung. Suhrkamp Taschenbuch, 2010. S.136

Existence is a flame which constantly melts and recasts our theories. Laing, R.D. The Politics of Experience. (17) 1990, p 47

Wo Entfremdung war, soll Eigentlichkeit werden […]. Sloterdijk, Peter: „Fichte“ in: ders. Philosophische Temperamente. Müchen, (2) 2011. S. 74

Das Werk des Künstlers wird unbewusst als unlösbar von der Persönlichkeit seines Schöpfers anerkannt, es darf nicht durch Zugriffe eines anderen verfälscht werden. Der Unterschied zu Werken des Wissenschaft liegt auf der Hand. Kohut, Heinz: Narzißmus. Ffm 1976. S, 349

Die poetische Phantasie hat […] einmal die Mitte zu halten zwischen der abstrakten Allgemeinheit des Denkens und der sinnlich-konkreten Leiblichkeit […]  Hegel, Georg Friedrich: Vorlesungen über die Ästhetik. Die Poesie. 

[…] we ‚d peer around corners and hide behind columns, studying [the autists‘] free-roaming behavior, as well as the reactions of the normopaths and salespeople who encounter them. Buten, Howard: Through the Glass Wall. New York, 2004. p 84

[…] and whilst everyone is sighing for personality in others, he shuns the labour of attaining it for himself. Binder, Frank, according to the entry on „Style“ in Partridge, Eric: Usage and Abusage, London, 1999, p 333

Man wir nicht wahrhaftig, indem man beweist, dass der andere lügt. Giglioli, Daniele: Die Opferfalle. Berlin, 2016. S. 38

Literarische Lektüre ist einer Vergegenwärtigung der Texte gewidmet, während die philosophische sie als ein Medium des Denkens gebrauchen. Seel, Martin: Platons Apologie der Literatur. Eine kurze Lektüre des Phaidros. In: Die Macht des Erscheinens. Suhrkamp Taschenbuch, 2007. S. 142

Das Gehirn ist eine Einstülpung der Haut. B. Müller-Oerlinghausen in einem Vortrag am 14.01.2014

Any form in poetry, be it meter, rhyme, line-break, is a metaphor for creaturely life. Maxwell, Glyn: On Poetry. London, 2012. p 120

Der wichtigste Vorteil der Aufrichtigkeit sind müßige Hände, und Waghalsige (richtiger: Wagbäuchige) nehmen Gefahren in Kauf, um solche Hände haben zu können. Flusser, Vilém: Vom Subjekt zum Projekt. Menschwerdung.  Fischer Taschenbuch, 1998. S. 186

Man muss aber auch annehmen, dass wir dadurch, dass etwas von den Dingen außerhalb von uns an uns herankommt, die Gestalten sehen und geistig erfassen. Epikur: Brief an Herodot. In: Epikur: Von der Überwindung der Angst. Aschendorf Verlag, (3) 2011. S. 95

ankunft 2015, copyright jo richter, 2015titel: ankunft, copyright jo richter, 12015

[Ein Werk] bleibt immer, wenn anders es ein Werk ist, auf die Bewahrenden bezogen, auch dann und gerade dann, wenn es auf die Bewahrenden erst nur wartet und deren Einkehr in seine Wahrheit erwirbt und erharrt. Heidegger, Martin: Der Ursprung des Kunstwerkes. Reclam 1960ff, S. 68

There is only one end to creation. Ellison, Harlan: The Region Between. In: The Mammoth Book of Extreme Science Fiction. Ashley, Mike (ed). Running Press. 2007. P 391

Dann wieder zweifle ich, ob die Geschichten, die ich mir vorstellen kann, nicht doch mein Leben sind.  Frisch, Max:  Mein Name sei Gantenbein. Suhrkamp Taschenbuch, 2011. S. 283

But no. Men have a right to be crazy, stupid and arrogant. It’s our special thing. Goodman, Paul: „Freedom and Autonomy“. in: Drawing the Line Once Again. Oakland, 2010. p 57

Auf transzendentalem Feld dagegen, als sichtbare Seele aller andernfalls leeren Wörter, gibt das Idol Frau Dichtern eine Ursprache ein, deren Tiefe Stummheit ist. Kittler, Friedrich A: Heinrich von Ofterdingen als Nachrichtenfluss. in: ders:  Die Wahrheit in der technischen Welt. Suhrkamp Taschenbuch, 2013, S. 142

Denn es gibt keinen möglichen Ersatz für die direkte Erfahrung von so einfachen Eigenschaften wie rot, wenn es um das Verstehen von Prädikaten wie „rot“ geht, und keine noch so langwierige Beschreibung kann mit solchen primitiven Erfahrungen gleichwertig sein. Danto, Arthur C: Die Verklärung des Gewöhnlichen. Frankfurt a.M. 1991, S265

Als ich drei Jahre nach der Pflanzung an einem Apriltag den Ort des damaligen Aktions-Kunstereignisses aufsuchte, in der Absicht, die Hamburger Beuys-Eiche im Zustand der ersten Frühlingsknospung zu photograpieren, fand ich dort nur einen nackten Baumstumpf vor, dreißig Zentimeter über dem Erdboden abgesägt, gitterartig umgeben von dürren Stengeln vorjähriger Brennesseln. Konrad Figlarek in: Beuys, Josef, Blume, Bernhard, Rappmann, Rainer: Gespräche über Bäume. Wangen, 20016. S. 72

Denn natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand. Schopenhauer, Arthur: Die Welt als Wille und Vorstellung. Deutscher Taschenbuchverlag, (4)2008. II,92.

Leicht beginnt er [der Dichter, „der sich mit Lyriktheorie abgibt“] sich im Gestrüpp der allzu klaren Definitionen zu verheddern und kommt vom einzig gangbaren Weg ab, dem seiner Praxis, die zu einem gut Teil noch immer aus Prozessen des Unbewussten besteht und einer großen Portion Fingerglück. Grünbein, Durs: Vom Stellenwert der Worte. Frankfurt a. M., 2010. S. 50

Inhaltlich bestimmt ist ein Urbild nachweisbar nur, wenn es bewußt und daher mit dem Material bewußter Erfahrung ausgefüllt ist. Seine Form dagegen ist […] etwa dem Achsensystem eines Kristalls zu vergleichen, welches die Kristallbildung in einer Mutterlauge gewissermaßen präformiert, ohne selber eine stoffliche Existenz zu besitzen. Jung, C.G.: Archetypen. Fischer Taschenbuch, 2001. S.79.

Auch in solchen Zusammenhängen funktioniert das kulturelle Gedächtnis nicht unpersönlich und anonym; es hängt von der Aktivierungsleistung von Individuen oder Institutionen ab. Koschorke, Albrecht: Wahrheit und Erfindung. Grundzüge einer allgemeinen Erzähltheorie. Frankfut a.M. (3)2013, S. 221

Der dunkle, verborgene Raum des Privaten bildet gleichsam die andere Seite des Öffentlichen, und während es wohl möglich war, außerhalb des Öffentlichen sein Leben zu verbringen, wiewohl dies hieß, sich der höchsten menschlichen Möglichkeiten zu berauben, war es nicht möglich, kein Eigentum, nicht seine eigenen vier Wände zu haben […] Arendt, Hannah: Der Raum des Öffentlichen und des Privaten in: Dünne, Jörg, Dünzel, Stephan: Raumtheorie. Frankfurt aM, 2006. S. 431

Alle Rahmen krachen. Sie sind zu eng, zu starr für all das, was wir hineinspannen möchten. Bergson, Henri: Schöpferische Entwicklung. Akademie der Wissenschaften, Stockholm, 1927. S. 44

Das Gedicht ist immer dazwischen. Domin, Hilde: Das Gedicht als Augenblick der Freiheit. Frankfurt a. M. 1993. S. 69

warf - copyright jo richter,2012titel: warf, copyright jo richter, 12012

Muß ich anfangen, über eine komische Lösung nachzudenken? Nietzsche, Friedrich: Die fröhliche Wissenschaft. 3.Buch, Nr 153

Das Spiel an sich [… ] liegt außerhalb der sittlichen Normen. Es ist an sich weder böse noch gut. Huizinga, Johan: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Frankfurt aM, (22) 2011. S.230f

Aber was heißt denn ein bloßes Spiel, nachdem wir wissen, daß unter allen Zuständen des Menschen gerade das Spiel, und nur das Spiel es ist, was ihn vollständig macht und seine doppelte Natur auf einmal entfaltet? Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen …. 15. Brief.

Die Musik des unendlichen Spielwerks zu vernehmen, die Schönheit des Gedichts zu verstehen, sind wir fähig, weil auch ein Teil des Dichters, ein Funke seines schaffenden Geistes in uns lebt und tief unter der Asche der selbstgemachten Unvernunft mit heimlicher Gewalt zu glühen niemals aufhört. Schlegel, Friedrich: Gespräch über die Poesie.

Also muß ein jedes Kind […] im Singen und Spielen unterwiesen werden, damit es dichterisch durchlebt, was an Ethos oder Pathos seine grenzenlose Seele birgt. Kittler, Friedrich a.: Die Wahrheit in der technischen Welt. Frankfurt a.M., 2013. S. 394

Was sich in den Enden der Kunst als der getrennten Künste andeutet, ist nicht eine neue Kunst der Vereinigung der Künste, sondern eine „Gesamtkunst“ jenseits der Künste, in der der medialen Vermischung eine soziale Dimension korrespondiert. Faust, Wolfgang Max: Bilder werden Worte. Käln, 1987. S. 227

Man mußte, auch wenn man derart radikal vorging, auf Bedeutung nicht völlig verzichten. Jandl, Ernst: Vom Öffnen und Schließen des Mundes. Darmstadt, 1985. S. 27

[…] weil, wo der Leser nicht mitspielt bzw. mitliest, der Autor von vorneherein verloren ist. Kunert, Günter: Vor der Sintflut. München, 1985. S. 117

Fear success.  Robert Hunter. Quoted in the movie „How to Change the World“

Die romantische Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet sein kann. Schlegel, Friedrich: Athenäumsfragment 116

[…] für Menschen, welche noch nicht in die schwindelnde Hast unseres rollenden Zeitalters hineingerissen sind und noch nicht ein götzendienerisches Vergnügen daran empfinden, wenn sie sich unter seine Räder werfen, für Menschen also, die noch nicht den Wert jedes Dinges nach der Zeitersparnis oder Zeitversäumnis abzuschätzen sich gewöhnt haben. Nietzsche, Friedrich: Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern. Gedanken über die Zukunft unserer Bildungsanstalten.

Es ist vielmehr anzunehmen, dass das absichtslose Geschehen als solches etwas Vornehmes hat, dass dagegen die Aktivität oder der Aktionismus […] nicht vornehm wirkt. […] Vornehm ist gerade das, was sich über die Dialektik von Herr und Knecht erhebt. Han, Byung-Chul: Abwesen. Berlin, 2007. S.12

You’re invisible now / you’ve got no secrets to conceal. Dylan, Bob: Like a Rolling Stone

 

 

phylum, copyright jo richter

titel: Phylum, copyright jo richter 12015

The [storytellers], however, were mostly middle-aged or old. Again not because they were dying out as a group, but because, as they said it, it took a lifetime to learn how to walk in the forest. LeGuin, Ursula. The Telling. N.Y., 2000f, p96

It was the only graceful way to move. Rothfuss, Patrick: The Slow Regard of Silent Things. New York, 2014, p125

exponate

titel: exponate, jo richter, 12017

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